Publizistik, Kommunikationswissenschaft, Geschichte – was studiert man als angehender Journalist?

Unabhängig des Mediums, für das sie tätig sind, werden von angehenden Journalisten dieselben Eigenschaften erwartet. Dazu zählen an erster Stelle Neugierde und die Fähigkeit, sich intensiv mit Themen auseinanderzusetzen; ganz gleich, ob diese Themen den persönlichen Interessenschwerpunkten nahestehen oder nicht. Die meisten Chefredakteure sind sich dabei einig: eine gute Story ist nicht unbedingt die, die den Journalisten begeistert, sondern diejenige, die den Leser interessiert. Daher müssen Journalisten neue Zusammenhänge entdecken, erforschen, hinterfragen, verstehen und analysieren können. Wenn man in der Schulzeit oder im Studium gerne Vorträge gehalten hat, die Nachrichten verfolgt, regelmäßig Zeitung liest, Radio hört oder Dokumentation anschaut, dann könnte man sich im Journalismus wohlfühlen. Natürlich kann man nicht alles gelesen haben und über alles Bescheid wissen; Wissensdurst und Neugierde sind aber entscheidend. Für angehende Journalisten ist es außerdem ratsam, sich nicht auf eine Zeitung zu beschränken und stattdessen die verschiedenen Medien kennenzulernen.

Leute sitzen am Tisch

Journalisten haben die verschiedensten Ausbildungen

Darüber hinaus benötigen Journalisten Schreibtalent und einen guten Ausdruck. Die Printmedien pflegen einen anschaulichen und prägnanten Schreibstil. Kommentare beim Fernsehen komplementieren das Bildmaterial, welches eine visuelle Botschaft vermittelt. Journalisten müssen über eine schnelle Auffassungsgabe verfügen, denn es gilt, fortlaufend Fristen einzuhalten, damit die Zeitung oder Sendung rechtzeitig erscheinen kann.  Gewisse Eigenschaften erlernt man natürlich mit der Zeit im Beruf, man sollte aber schon im Studium gut in der Lage sein, Sachverhalte zusammenzufassen und zu beschreiben, Bildmaterial auszuwählen und selbstständig zu arbeiten. Bei einer Reportage gilt es schließlich auch, Informationen einzuordnen und schnell autonome Entscheidungen zu treffen. Diese grundlegenden Eigenschaften sind darüber hinaus an keinen Fachbereich gebunden; was sollte man bei der Studienfachwahl als angehender Journalist also sonst noch beachten?

Individuelle Ausbildungswege

Um in einer Redaktion tätig zu werden, bestehen keine festen Vorgaben, außer die, dass dafür ein abgeschlossenes Studium und ein anschließendes Volontariat verlangt werden. Für viele junge Menschen bedeutet diese Freiheit erst einmal die Qual der Wahl. Das Studienfach Journalistik zu belegen wird von Redakteuren weniger empfohlen, denn obwohl darin die journalistische Arbeitsweise umfassend vermittelt wird, ist es ein theorielastiger Studiengang und vermittelt wenig Fachwissen, welches man später gegebenenfalls auch in anderen Berufen anwenden könnte. Eine direkte Alternative dazu besteht darin, einen spezialisierten Journalismus-Studiengang wie Sportjournalismus, Technikjournalismus, Musikjournalismus, Wissenschaftsjournalismus, Kulturjournalismus usw. zu belegen.

Leute im Raum

Viele Studienfächer kommen infrage

Aber das sind bei weitem nicht alle Möglichkeiten. Wahre Experten haben oft etwas ganz anderes studiert; beispielsweise ist ein Politikwissenschaft- oder Jurastudium im Wirtschaftsressort der Zeitungen gerne gesehen. Als Auslandskorrespondent kann es nicht schaden, wenn man eine Fremdsprache zumindest als Nebenfach belegt hat und Germanisten sind die perfekten Kommentatoren für das Kulturfeuilleton. Hier einige weitere Fachrichtungen, die einen Einstieg in den Journalismus erlauben:

Publizistik

Der Studiengang Publizistik gehört zu den Sozialwissenschaften und untersucht das Verhältnis zwischen Medien und Gesellschaft. Das Fach Publizistik vermittelt auch, wie Beiträge in den Medien strukturiert und vermarktet werden. Zu den Themen der Publizistikwissenschaften gehören Fächer wie Mediennutzung und Medienstruktur, Datenanalyse und Datenerhebung, Journalismus, Kommunikation, Öffentlichkeitsarbeit, Medienkonvergenz und Public Relations.

Kommunikationswissenschaft

Mit Sprache und Medientheorien beschäftigt sich das Fach Kommunikationswissenschaft. Die direkte Kommunikation und Massenmedien werden dabei untersucht, Studieninhalte sind unter anderem Mediennutzung und Medienwirkung, Sprachwissenschaft, Textlinguistik, Rhetorik und Sprechwissenschaft, Journalismus und Public Relations.

Geschichte

Die Geschichtswissenschaften sind ein äußerst vielseitiges Fachgebiet und bieten neben der Option, auf Lehramt zu studieren, sehr viele Möglichkeiten, um kulturelles Interesse praktisch anzuwenden. Historiker verfügen über tief gehende Kenntnisse historischer Zusammenhänge und betreiben eine intensive Textlektüre. Das Analysieren und Hinterfragen von Zusammenhängen kann dabei auch im Journalismus nützlich sein.

Philosophie

Mit den grundlegenden Fragen der menschlichen Existenz beschäftigt sich die Philosophie. Auf dem Lehrplan des Faches stehen unter anderem die Analyse von anspruchsvollen Texten und das wissenschaftliche Arbeiten sowie die Auseinandersetzung mit den Disziplinen Logik, Ethik und Wissenschaftstheorie. Philosophiestudenten üben sich im kritischen Hinterfragen, Diskutieren und verfassen auch eigene Texte. Obwohl ein Philosophiestudium grundsätzlich theoretisch ausgerichtet ist, vermittelt es Kompetenzen, die in Bereichen des Journalismus gefragt sind.

Psychologie

Gegenstand der Psychologie ist die Erforschung des menschlichen Verhaltens, der Wahrnehmung und des Bewusstseins sowie der Sprache und Emotionen des Menschen. Dieses interdisziplinäre Fach wird mit verschiedenen Themenschwerpunkten angeboten und im Laufe des Studiums erfolgt meistens eine Spezialisierung für den klinischen Bereich oder für die Arbeits- und Wirtschaftspsychologie. Auch Fächer wie Medienpsychologie, Wirtschafts- und Sozialpsychologie werden an einigen Universitäten angeboten. Die sogenannten Soft Skills, die im Zuge des Studiums gründlich erforscht werden, sind in jeder weiteren beruflichen Laufbahn von großem Wert. Bei der Interviewführung etwa können diese Kompetenzen vorteilhaft sein.

Germanistik

Germanisten gehören zu den Geisteswissenschaftlern und setzen sich intensiv mit der deutschen Sprache und Literatur auseinander. Das Fach Germanistik lehrt wissenschaftliches Arbeiten und einige Universitäten bieten Module wie Kommunikationswissenschaften, Medienwissenschaften oder Journalistik an. Selbstverständlich wird im Fach Germanistik sehr viel gelesen und Studenten führen linguistische Analysen durch. Die Expertise von Germanisten ist gefragt in Tätigkeiten wie dem Lektorat, als Texter oder im Journalismus.

Buch

Germanistik: Sprache und Kultur

Politikwissenschaft

Das Fach Politikwissenschaft vermittelt Kenntnisse über politische Systeme und die Wechselwirkung zwischen Politik und Gesellschaft. Neben Statistik und wissenschaftlichem Arbeiten erlernen Studenten auch die Grundlagen der Wirtschaftspolitik, rechtliche Grundlagen, Politikanalyse und politische Philosophie. Weitere mögliche Schwerpunkte des Studiums bilden internationale Beziehungen, regionale Politikanalyse und Zeitgeschichte. Für angehende Journalisten bietet die Politologie eine gute Grundlage, um politische Hintergründe zu recherchieren und zu präsentieren.

Informatik

Informatik und dann Journalismus? Was sich auf den ersten Blick abwegig anhört, ist im digitalen Zeitalter gar nicht so weit hergeholt, es sei denn natürlich, man hat eine mathematische Inselbegabung. IT-Grundkenntnisse werden im Journalismus vorausgesetzt und wenn man über fundierte Kenntnisse im Bereich der IT-Sicherheit usw. verfügt und dazu noch passabel schreiben kann, ist diese Kombination nicht nur für Fachzeitschriften interessant. Gerade der investigative Journalismus könnte ohne IT-Fachmänner, die den Tiefen der privaten und öffentlichen Server die Beweise für illegale Machenschaften entlocken, nie und nimmer bestehen.

Tastatur

Recherche ist zunehmend webbasiert

So gut wie jede, nicht direkt mit dem Journalistenmetier assoziierte Fachrichtung vermittelt nicht nur wertvolle Kenntnisse, die im Beruf des Journalisten gefragt sind, sondern erweitert auch die späteren Berufsperspektiven. Schließlich werden sich einige Kandidaten im Laufe der Zeit letztendlich gegen den Beruf des Journalisten entscheiden oder scheitern eventuell bei der Suche nach einem Volontariat. Dabei ist hervorzuheben, dass Medienunternehmen, die auf der Suche nach Volontären sind, bei deren akademischer Vorbildung das Studienfach Journalistik nicht einer fachfremden Studienrichtung vorziehen. Wer also ein abgeschlossenes Studium, ein Praktikum in der Medienbranche und Talent zum Schreiben hat, dem steht einer Bewerbung für die journalistische Ausbildung nichts im Wege.

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